HiobsBruederRebeccaGableCoverSimon ist 15 als er von Mönchen regelrecht gekidnappt und auf eine Insel gebracht wird. Abgeschottet von der Umwelt, eingeschlossen in einer Burg. Weil er Epilepsie hat. Eine Krankheit, die als Zeichen dafür gilt, dass der Betroffene von Dämonen besessen ist. Simon trifft in der Festung auf eine Gruppe Menschen, die sein Schicksal teilt.

Da ist Losian, der Mann, der keine Erinnerung an die vergangenen Jahre mehr hat. Nicht einmal seinen richtigen Namen kennt er. Da ist King Edmund, der so genannt wird, weil er sich genau für diesen hält, ein Heiliger und Märtyer, der wieder auf die Welt zurückgekehrt ist, weil er sein Land retten will. Da sind die Zwillinge Godric und Wulfric, die an der Hüfte zusammengewachsen sind, Regy, ein adeliger Serienmörder, vor dem sich die Ausgestoßenen ihrerseits schützen müssen oder da ist der fröhliche und sanfte Oswald, der wegen Trisomie auf der Insel gelandet ist.

Hunger und Kälte bestimmen das Leben der Gefangenen. Bei einem Sturm kommt ein großer Teil der Menschen ums Leben. Zugleich aber schlägt dieser Sturm mit der anschließenden Flut eine Bresche in die Festung. Eine Handvoll Menschen kann von der Insel fliehen. Und sie machen sich auf den Weg zurück in ihr richtiges Leben.
Spannend wie ein Thriller kommt diese Geschichte daher. Rebecca Gablé entspinnt ein sehr feines und verwobenes Muster der Schicksale. Dabei erzählt sie nicht nur ausgesprochen lebendig und fesselnd - viele gelungene Dialoge sorgen für besonderen Lesegenuss - sie vermittelt so ganz nebenbei genau recherchiertes historisches Wissen, das sie in ihre Geschichte einspinnt, geradezu einbettet, wie eine Begleitmusik spielen lässt. Sie lässt das England des 12. Jahrhunderts lebendig werden, seine Menschen, vor allem die Region Yorkshire, die Geschichte, die politischen Verwicklungen, Thronfolgen. Koalitionen, den Krieg und die Intrigen.
Rebecca Gablé versteht es, Geschichte fühlbar zu machen. Wer dieses Buch gelesen hat, hat viel erfahren über diese Zeit und speziell England. Und er wird es so schnell nicht wieder vergessen. Dabei lässt sich die Autorin auch die eine oder andere Pointe nicht entgehen, hat ein tiefes Gespür für die menschliche Psyche, thematisiert die Probleme zwischen Christen und Juden und greift so viele Themen auf, das man fast fürchten müsste, sie könnnte sich in ihrer eigenen Geschichte verirren. Tut sie aber nicht. Zielsicher findet sie immer wieder heraus, lässt immer einen Lichtblick aufscheinen, der aber nie in ein wirkliches Happy End abrutscht. Vielleicht bis auf den Schluss. Ein Ende, das in gewisser Weise vorhersehbar ist, aber nichtsdestoweniger eine gelungene Pointe darstellt. Man schlägt dieses Buch mit einem zufriedenen Grinsen zu. Und um einiges klüger.

 

Rebecca Gablé * Hiobs Brüder
Bastei Lübbe

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