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Man war wohl gut beraten anno 1395, beim Ritt durch die nordböhmischen Wälder nahe Zittau ein scharfes Schwert oder eine andere solide Waffe bei sich zu führen, denn die Zeiten waren mehr als unsicher.
Das erfuhren auch sehr schnell die beiden Brüder Michael und Thomas Parler aus Prag, die gemeinsam mit ihrem Onkel Heinrich dem Kloster Oybin entgegenstrebten.
Alle drei gehörten der schon damals berühmten Dynastie von Steinmetzen und Goldschlägern an. Prior Petrus Zwicker hatte ihnen den Auftrag erteilt, einige kunstvolle Verschönerungen an der Klosterkirche vorzunehmen.
Doch bevor es dazu kam, forderte sie eine Bande von Wegelagerern heraus. Es kam zum blutigen Gemetzel, in dessen Verlauf sechs Männer ihr Leben ließen. Leider auch Meister Heinrich Parler.

 

Angekommen in Burg- und Klostermauern hörten Intrigen, Mord und Tatschlag aber keinesfalls auf, denn ein geheimnisvoller Rächer soll sich dort eingeschlichen haben. Und vor allem Prior Petrus Zwicker hat allen Grund, diesen zu fürchten. Der Oberhirte der fromm nach den strengen Regeln des Heiligen Benedikts lebenden Mönche hat nämlich noch eine weitere grausame und gnadenlose Aufgabe im Dienste des Papstes zu erfüllen.

 

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Als Inquisitor reist er durch die böhmischen, österreichischen und deutschen Lande, um „verirrte Lämmer“ auf den rechten Weg des Herrn zurückzuführen. Seine besondere Aufmerksamkeit richtet er auf die Waldenser. In der Mehrzahl aber enden seine Bekehrungsversuche für die von ihm erwählten Ketzer mit grausamer Folter und dem Tod auf dem Scheiterhaufen.

Soweit ein erster Vorgeschmack auf den neusten historischen Kriminalroman des, vor allem für Kinder- und Jugendbücher bekannten Schriftstellers Klaus W. Hoffmann. Weiß man, dass der 65jährige in Dortmund das Licht der Welt erblickte und seit 1981 in Sachsen-Anhalt lebt und arbeitet, fragt man sich zwangsläufig, welche Beziehung er denn wohl zur Oberlausitz und deren Geschichte knüpfen könnte.

Diese und andere Fragen beantwortete er erst vor einigen Tagen, als er im Altbestand der Zittauer Christian-Weise-Bibliothek sein neustes literarisches Kind der Öffentlichkeit präsentierte.

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„Mein Verleger Dr. Sven Lychatz, dessen familiäre Wurzeln in Hainewalde liegen, bot mir im vergangenen Frühjahr an, ihn auf eine Reise dorthin zu begleiten.“ So habe er dann gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und der Familie des Gastgebers auch auf dem Oybin inmitten der geschichtsträchtigen und sagenumwobenen Gemäuer gestanden, die ihn genauso in ihren Bann zogen, wie dereinst die Maler Caspar David Friedrich und Ludwig Richter sowie in jüngerer Zeit die Schriftsteller Willi Meinck und Kurt David. Der ideale Schauplatz für ein neues spannendes, sowohl für Jugendliche als auch die reifere Generation geeignetes Buch. Dr. Lychatz hatte sein Ziel erreicht.

„Natürlich habe ich versucht, den geschichtlichen Überlieferungen Rechnung zu tragen, dabei aber auch meine schriftstellerische Freiheit gewahrt“, räumte der Autor ein. Beim Landesamt für Archäologie habe er sich vor allem bezüglich der Ausgrabungen kundig gemacht, aber auch viele schriftliche Quellen studiert. Und an Uwe Kahl, den Hausherrn, gewandt fügte er mit einem Schmunzeln hinzu: „Vielleicht hätte ich hier ja noch mehr wertvolle Erkenntnisse sammeln können.“

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Tatsächlich wird es wohl in der folgende Hauptauflage des Buches in einigen Details wie Ortsnamen etc. Veränderungen geben. Beachtenswert ist übrigens auch der Anhang, in dem Klaus W. Hoffmann viele für den jugendlichen Leser vielleicht nicht so geläufige Begriffe noch einmal etwas genauer erklärt. Insgesamt aber handelt es sich eben um Belletristik und nicht um ein Fachbuch oder Nachschlagewerk, wenngleich es wohl in so mancher Schulbibliothek einen guten Platz finden würde.

 

Und das Ende der Geschichte? Einmal mehr bewahrheitet sich der Spruch: „Habt Vertrauen, alles wird gut.“ Doch bis es soweit ist, haben die Helden des Buches noch einige Male bedrohliche Situationen bis hin zu Mordanschlägen, falschen Verdächtigungen und der schließlich erfolgenden Suspendierung aus den Diensten des zweifelhaften Oybiner Oberhirten zu überstehen. Aber am besten, Sie lesen es selbst.

 

 

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Titel: „Rache auf dem Oybin"
Autor: Klaus W. Hoffmann
Herausgeber: Lychatz Verlag Leipzig
ISBN: 978-3-942929-09-7

 

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