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JeschkenblumenCover12042012Auf dem Jeschken


Willst Du Gottes Wunder loben,

Halte von dem Jeschken droben

Weite Schau ins Böhmerland!


Als Er sprach dereinst sein „Werde!“

Schlang er um dies Stückchen Erde

Doppelt wohl der Schönheit Band.

Ida Maksa-Segalla (1857 – 1936)

Es liegt ein besonderer Reiz in diesen Zeilen. Veröffentlicht wurden sie 1908 in dem von Theodor Hutter zusammen gestellten Almanach „Der Jeschken in Geschichte, Sang und Sage“. Kaum jemand aber weiß heute noch, dass dieses viel zitierte „Jeschker Gedichtchen“ dereinst in einen Balken des alten, 1963 abgebrannten Hotels auf der Spitze des 1 012 Meter hohen Liberecer (Reichenberger) Hausberges eingraviert war. Erst der Journalist und Dichter Luboš Příhoda entdeckte es neu, indem er es als Motto seiner Übersetzung des Buches „Blauer Flieder“ von Isa Engelmann, die 2004 unter dem Titel „Návrat pod zelenou střechu“ erschien, voranstellte.

Ida Maksa-Segalla ist nur eine jener 32 deutschsprachigen Autorinnen und Autoren aus dem Reichenberg des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die mit Textpassagen aus ihren Werken in der Anthologie „Ještědské květy – Jeschkenblumen“ vertreten sind. Dieses Buch war schon in seiner Konzeption und natürlich erst recht bei der Herausgabe ein absolutes Novum. Geistige Väter des zweisprachigen Projekts sind die beiden Heimatforscher Marek Sekyra und Otokar Simm. Ihr Grundgedanke war es, kaum bekannte deutschsprachige Autoren und deren Lebenswelt in und um die ehemalige Tuchmacherstadt Reichenberg, das heutige Liberec, der Öffentlichkeit gleichberechtigt auf Deutsch und Tschechisch bekannt zu machen. Natürlich war es naheliegend, dass sie sich bei ihren Recherchen auch in der Wissenschaftlichen Bibliothek Liberec bedienten. Schließlich verfügt diese über den größten Bestand an sogenannten Sudetica bzw. Germanica außerhalb Deutschlands.

Marek Sekyra  Jeschkenblume 12042012
Es habe ihn sehr verwundert, sagte Marek Sekyra, der heute die Allgemeine Bibliothek der Einrichtung leitet, dass er in der Öffentlichkeit zwar überall auf Spuren der ehemaligen deutschen Bevölkerung gestoßen sei, aber nur Literatur aus tschechischen Quellen gefunden habe. So begann er zu graben. Schließlich fand er fast 100 Namen von  Deutschen, die in Reichenberg geboren wurden, arbeiteten und von dem, was sie täglich umgab auch schrieben.

 

Es soll an dieser Stelle nicht weiter auf die Kriterien eingegangen werden, die von beiden Herausgebern bei der Auswahl angewandt wurden. Charakteristisch ist jedenfalls, dass sich in fast allen der im Buch enthaltenen Leseproben die Stadt Reichenberg und deren Umfeld – namentlich der Jeschken – wiederfinden. Auch die Neiße kommt nicht zu kurz, wenngleich Ferdinand Siegmund ein seinem Gedicht, dass dem 1889 erschienenen Buch „Gedichte in Reichenberger Mundart“ entnommen wurde, ein wenig schmeichelhaftes Bild des Flusses zeichnet. Den darin beschriebenen, nahezu täglichen Farbwechsel haben sicher auch die älteren Zittauer noch gut in Erinnerung.

Die Neisse

De Neisse wolln mr laben louhn,

Se ös wie a Chame-ileoun;

Hoit ös se gröne, morne blou,

Wenn Demuth schauert, ös se grou,

Und bahle schwarz und bahle ruth,

Wie Jantsch halt grode färben thut.

Dröm hout se ou dos ganze Johr,

Kenn Troppen Wasser rein und klor,

Und wenn de Weiber schweifen giehn,

Müssens hinter Siegends Farbe ziehn,

Sunst sägen ja de Hemden aus,

Als kämen se aus der Kiepe raus.

De Neisse ös a hübscher Fluß,

Ba Görlitz wrd se gor siehr gruß.-

Vo Reichenberg fuhr a dr Früh

Amoul a Kampelmacher hie,

Und weil´s de Tochter ne gesahn,

Ließ a´r hoit a Guts geschahn;

Und wie a dou de Neisse sag,

Der Kampelmacher siehr drschrak,

A sprach vor Freide ganz azwee:

„Sieh Lore sieh, dos ös de See!“

 

 

Übrigens dürften Marek Sekyra und Otokar Simm ihrem Buch auch nicht zufällig den Namen „Ještědské květy – Jeschkenblumen“ gegeben haben, sondern sich dort ebenfalls an ihren Forschungsergebnissen orientiert haben.

Blieml aus ´n Neissetole
So fanden sie heraus, dass schon Benjamin Baier 1850 eine Gedichtsammlung dieses Namens veröffentlicht hatte. Hinzu kamen Karl Baiers 1902 erschienene  „Neue Jeschkenblumen“ und 1906 seine „Blieml aus ´n Neissetole“. Auch bei der eingangs erwähnten Ida Maksa-Segalla finden sich „Feldblumen“ (1889) und „Eine Hand voll Märchenblüten“ (1899). Kein Wunder also, dass die beiden Herausgeber ihrem inzwischen  erfolgreich vorgestellten zweiten Band den Namen „Jizerské květy – Iserblumen“ gaben.

Neben den Texten, die dem Leser immer wieder Einblick in das genügsamen Leben und fleißige Schaffen der Menschen, ihren oft harten Alltag, aber auch ihre kleinen Freuden wie „´s Preisrodlfuhren“ (Das Preisrodeln) geben, wird dieser Informationsgehalt durch schwarz-weiß  Reproduktionen historischer Postkarten sowie Fotografien nicht mehr existierender Gedenktafeln und Gebäude oder Porträts der jeweiligen Autoren vertieft.

Das inzwischen offiziell vergriffene Buch ist übrigens in den Beständen der Christian-Weise-Bibliothek Zittau sowie den Stadtbibliotheken Bautzen und Görlitz vorhanden und kann dort ausgeliehen werden.

 

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Titel: Ještědské květy – JeschkenblumenHerausgeber: Marek Sekyra, Otokar Simm
Verlag: Wissenschaftliche Bibliothek Liberec
ISBN: 978-80-85874-45-7

    

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