Tolle Eine neue ErdeNach "Jetzt - Die Kraft der Gegenwart" kommt dieses Buch noch ein Stück kraftvoller daher. Ein Augen- und Herzensöffner, der es in sich hat. Was viele unbewusst spüren, mache Philosophen in Merksätze gefasst haben - Tolle bringt es ruhig, friedlich, deutlich und kraftvoll auf den Punkt. Wo das Ego zerstörerisch ist, ist es das kollektivere noch viel mehr.
"Wie schwer ist es doch, mit sich selbst zu leben! Eine der Arten und Weisen, wie das Ego einem unbefriedigenden persönlichen Selbstsein zu entgehen trachtet, ist die, sein Selbstgefühl zu vergrößern und zu stärken, indem es sich mit einer Gruppe identifiziert – mit einer Nation, politischen Partei, Firma, Institution, Sekte, Bande, Clique oder Fußballmannschaft."
Und weiter:
"Ein kollektives Ego weist die gleichen Merkmale auf wie ein persönliches Ego, zum Beispiel das Bedürfnis nach Gegnern und Konflikten, das Bedürfnis nach mehr, das Bedürfnis, andere ins Unrecht zu setzen und selbst Recht zu behalten usw.

Früher oder später gerät das Kollektiv mit anderen Kollektiven in Konflikt, weil es unbewusst darauf aus ist und die Opposition braucht, um seine Grenzen und damit seine Identität zu definieren. Dann erfahren seine Mitglieder das Leid, das jede egomotivierte Handlung unweigerlich nach sich zieht."
Ausführlicher und deutlicher als in "Jetzt" geht Eckhart Tolle auf den Schmerzkörper ein, eine Entität, die jeder sofort erkennt, der Tolles Worte liest. Eine Wesenheit, die wir kaum kontrollieren können. Und ein Ding, das sogar als kollektive Form existiert. Manchmal mag man angesicht der präzisen Beschreibung des Ist-Zustands den Mut verlieren, vom eigenen Ego überrollt.
Doch Eckhart Tolle macht auch eins klar: Je stärker das Ego, um so mehr leidet es. Und je mehr es leidet, um so eher wird es einen Knacks bekommen und schließlich überwunden werden.
Insofern kann man angesichts der Umstände auf dieser Erde nur optimistisch sein. Wir scheinen kurz vor dem ultimativen Knacks zu stehen.

Share Button