Gary Renard Die Illusion ges UniversumsAutsch. Das tut weh.
Zahlreiche Menschen sollen dank dieses Buches zu "Ein Kurs in Wundern" gefunden haben. Sollte das wahr sein, werden sie anschließend eine herbe Enttäuschung erlebt haben. Denn was Renard hier bedient ist das Ego. Und das ist genau das, was "Ein Kurs in Wundern" aufheben will.

Das Ego als Grund alles Leidens, wie Eckhart Tolle es bezeichnet, feiert in diesem Buch eine Party. Eine Party, die bestimmt ist von Softdrinks und klebrigsüßen Cocktails, oberflächlichen Flirts und einer ständigen Selbstbefriedigung.

Gary Renard unerhält sich mit zwei aufgestiegenen Meistern über die Welt und den Grund unserer Hierseins. Hätte er das als literarischen Kunstgriff genutzt, wäre das vertretbar gewesen. Er jedoch stellt es als Tatsache hin. Jeder, der "Ein Kurs in Wundern" kennt, weiß, dass das unmöglich ist.

Zwar beschreibt Jesus im Kurs die Lehrer der Lehrer, die manchem erscheinen und anderen ihre Ideen geben, doch klar ist auch, dass diese Lehrer der Lehrer egofrei sind. Eine Hierarchie unter den Brüdern gibt es nicht, weshalb sie sich selbst auch nicht als aufgestiegene Meister bezeichnen würden.

Arten und Pursah aber - die beiden Gestalten, die Renard auf seiner Couch empfangen haben will - sind die reinsten Witzfiguren. Renard selbst lässt sich dauerhaft bauchpinseln von ihnen, tunkt sich selbst in Eigenlob und vernichtet selbstverständlich später die Audiokassetten mit den Mitschnitten.  Warum, wird nicht so ganz klar.

Das Buch besteht zu 85 Prozent aus korrekten Zitaten aus "Ein Kurs in Wundern". Und das ist zugleich das, was seinen Wert ausmacht. Der Rest ist - wie schon erwähnt - Egoparty. Warum nun jemand nicht gleich das Original lesen soll, erschließt sich nicht wirklich. Tatsächlich haben angeblich viele Menschen nach Lesen des Buches zum Kurs gefunden. Was sie dort fanden, war allerdings mit Sicherheit etwas ganz anderes als sie erwarteten.

Der Kurs stellt das Denksystem komplett um und zeigt, wie bedeutungslos das Ego ist. Wer aufgrund seines Egos beginnt, sich mit dem Kurs zu beschäftigen, wird reinweg nichts verstehen. Darum liest man leider auch nicht, was aus denjenigen geworden ist, die sich nach Renards Buch mit dem Kurs beschäftigt haben. Vermutlich sind sie wieder auf der Party versackt.

Was Renard mit diesem Buch erreicht, ist das Gegenteil von dem, was er vorgibt zu wollen. Getreu dem Motto: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Zumindest aber ist es recht clever. Jedenfalls aus Renards Sicht.

Wie schreibt Eckhart Tolle so treffend in "Eine neue Erde": Das Ego mag clever sein, aber klug ist es nicht. Cleverness verfolgt eigene kleine Ziele. Klugheit sieht das größere Ganze, in dem alle Dinge miteinander verbunden sind. Cleverness ist durch Eigeninteresse begründet und extrem kurzsichtig. Die meisten Politiker und Geschäftsleute sind clever. Nur wenige von ihnen sind klug. Was immer durch Cleverness gewonnen wird, hat nicht lange Bestand und erweist sich irgendwann stets als kontraproduktiv. Cleverness trennt; Klugheit verbindet.

Dieses Buch ist in gewisser Hinsicht clever. Mehr nicht.

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