Umgebindeland
„Verliebte entdecken das Besondere am Anderen – etwas, das nicht für jedermann sichtbar ist. Sie sehen das Ursprüngliche, das Unverfälschte und Schöne.“
Jeannette Gostelli

War schon der Anfang des Jahres erschienene zweisprachige Bildband „Verliebt ins Umgebindeland“ nicht nur für bodenständige Oberlausitzer ein echter Renner, so setzte die langjährige Chefin der Geschäftsstelle Umgebindeland beim Landkreis Görlitz, Jeannette Gostelli, mit dem nun erschienenen, ebenfalls deutsch-tschechischen Nachfolger „Die Schönsten im Umgebindeland“ wohl den Punkt auf das I.

Umgebindeland
Es wäre wohl nicht nur schwierig, sondern auch unsinnig, darüber zu spekulieren, welches der beiden Bücher besser gelungen ist. Auch diesmal ist der Oybiner Autorin ein wahrer Volltreffer gelungen.

Ging es beim ersten Band vor allem darum, dem Leser bzw. Betrachter einen Eindruck vom Umgebindeland, seinen Grenzen und seiner Vielfalt innerhalb der zwölf deutschen, tschechischen und polnischen Regionen zu verschaffen, so geht Jeannette Gostelli diesmal etwas mehr ins Detail. Ein gewagtes Unterfangen, würde man denken.
Umgebindeland
Immerhin umfasst das Umgebindeland ja wirklich ein Territorium, das beiderseits von Mandau, Neiße und Elbe, des Zittauer bzw. Lausitzer Gebirges, im Frýdlandsko und Šluknovský výběžek (Friedländer und im Schluckenauer Zipfel) sowie an der Smědá/Witka (Wittig) und der Kwisa (Queis) recht verschieden ist. Tatsächlich stellt man beim Spaziergang durch die Oberlausitzer, Nordböhmischen und Niederschlesischen Dörfer immer wieder fest, dass trotz des ersten Eindrucks bei der Vielzahl der dort zum Glück immer noch erhalten gebliebenen Umgebindehäuser wohl kaum eines dem anderen gleicht wie ein Zwilling. Nein, es ist wohl vielmehr jedes ein Unikat.

Umgebindeland
Von der bemerkenswerten Vielfalt und Individualität war schon die Rede im ersten Band. Das Staunen nimmt noch zu, wenn man die Fülle an Verzierungen und Schmuckelementen betrachtet. Man braucht wahrlich kein ausgesprochener Umgebinde-Freak zu sein, um hier das Attribut „schön“ zu äußern. Weitaus schwerer lässt sich deshalb die Frage beantworten: „Welches ist das Schönste hier?“ Dieser Frage stellt sich die Autorin im Vorwort: „Schön, das heißt zunächst authentisch, unverfälscht, möglichst nah an dem Zustand, wie die Handwerker diese Häuser vor vielen Jahren erbaut oder behutsam angepasst haben.“ Deshalb habe sie Wert darauf gelegt, imn diesem Buch nicht nur die repräsentativen Bauten in den Fokus des Betrachters zu rücken, sondern auch die kleinen und unscheinbaren, in ihren liebenswerten Details oft erst auf den zweiten Blick sichtbaren unverfälschten Häuschen.

Umgebindeland
Natürlich sei die Ausstrahlungskraft eines solchen Gebäudes auch immer mit seinem direkten Umfeld verbunden, betont Jeannette Gostelli. Da beides eine Einheit bilden, sei es umso wichtiger, dass bei der Pflege und Erhaltung beides berücksichtigt werden. Zum Glück habe sie auch in dieser Hinsicht überall hervorragende Beispiele gefunden, betont sie. Viele der ursprünglich zum Leben auf dem Dorf bzw. die Selbstversorgung der Bewohner notwendigen Dinge hätten zwar ihre eigentliche Funktion inzwischen verloren, würden aber noch immer von den heutigen Besitzern liebevoll erhalten und gepflegt. Die Palette ist breit. Sie reicht von Holzstängeln für den Zaun bis zu Natursteinen für Zaunsäulen, Mauern und Wege. Am Haus klettern Weinstöcke empor, und im Hof spendet der Hausbaum, oft eine jahrhundertealte Linde oder Eiche, an heißen Tagen wohltuenden Schatten. Selbst Scheunen, Schuppen, Brunnen, Tröge und Schwengelpumpen gehören einfach zu diesem Ensemble dazu.

Umgebindeland
Die Auswahl der hier in Wort und Bild durch die Autorin vorgestellten Gebäude erfolgte sehr sorgfältig und unter Beteiligung vieler Fachleute. Es sind 100, aber sicher hätten noch weitaus mehr einen Anspruch darauf gehabt, hier erwähnt zu werden. Deshalb soll dieser Bildband nicht nur eine Auszeichnung für die ausgewählten Objekte darstellen, sondern zugleich auch dazu anregen, diese unverfälschten Zeugen unserer heimischen Volksarchitektur mit Liebe zu betrachten, sie ins Herz zu schließen und authentisch zu erhalten.

Titel:
„Die Schönsten im Umgebindeland – Vielfalt, Anmut, Lebensart.“
(„Ty nejhezčí v krajině podstávkových domů“)
Foto- und Text: Jeannette Gostelli
Herausgeber:
Geschäftsstelle Umgebindeland beim Landkreis Görlitz
Verlag und Druck:
Graphische Werkstätten Zittau 
       
ISBN 978-3-929744-80-4
  

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