KinginHamburghoch

Erst München, hier Hamburg. Stephen King besuchte erstmals Deutschland. Foto: Philipp Berger

Deutschland hat wieder einen König. Und diesmal sogar einen ganz ungefährlichen, einen, den die Menschen lieben. Und wo kommt ein König hin, wenn er das erste Mal nach Deutschland kommt? Wohin, wenn nicht in ein noch sehr auf seine Monarchie bedachtes deutsches Ländchen? Richtig, nach Bayern, in die Landeshauptstadt.

Und obwohl auch in München seit Jahrzehnten kein König mehr residiert, außer vielleicht in den Namen von Straßen und Universitäten, so hat München doch an diesem 19. November mal wieder etwas von dem Glanz, den ein König ausstrahlt. Der König ist ein King - Stephen King - und sein erster Aufenthalt in Deutschland war einen Tag zuvor, wie er selbst sagt, eigentlich ein weiterer Tag in Amerika. Denn noch vor München ließ King es sich nicht nehmen, Ramstein zu besuchen und sich dort mit verwundeten Soldaten zu unterhalten.

An diesem Abend im Circus Krone kündigt Denis Scheck King als den großen Schriftsteller an, der uns seit Jahrzehnten begleitet hat und unsere Sicht auf die Dinge massiv geprägt hat. So könne man nun, wenn man einen großen Hund sehe, nicht mehr umhin an Cujo zu denken. Bei Ronald McDonald und anderen Clowns laufe "Es" uns kalt den Rücken hinunter. Doch heute, da sei es eher wie in Misery. Wir hätten unseren Lieblingsschriftsteller hier bei uns im Saal, in unserer Gewalt, könnten mit ihm tun und lassen, was uns gefalle. Freilich, so Scheck weiter, gebiete uns die Höflichkeit in mancherlei Hinsicht Einhalt.

Dass der Vergleich, um mal frei an ihn anzuknüpfen, etwas "hinkt", das wird sich leider später noch herausstellen.

Und dann ist es so weit: King betritt die Bühne. Und jubelnd wird er vom Publikum empfangen. Es ist nicht ganz voll im Saal. Nachvollziehbar ist das nicht, da bereits um 14 Uhr Leute an den geschlossenen Schaltern angestanden hatten, um noch Karten zu erhalten und die Veranstalter extra die hinter der Bühne liegenden Ränge noch teilweise freigegeben hatten.

KinginMuenchen

Denis Scheck und Stephen King spielen sich im Cirkus Krone in München den Ball zu. Foto: Philipp Berger

King grüßt die Gäste und wirkt dabei noch ein wenig angespannt. Die große Bühne ist nicht so sein Ding, könnte man meinen. In der Tat sagt er das selber. Seine Entertainerqualitäten sind allerdings sagenhaft. Er zeigt nicht nur in seinen Büchern, was in ihm steckt, sondern auch da vorne, auf der Bühne, mit Denis Scheck. Zusammen spielen sie sich regelrecht den Ball zu.

Willkommen. Das heißt ihn der Literaturkritiker Scheck im "Land des Horrors". Und, so will er wissen, ob dies ein Grund sei, warum King nach Deutschland gekommen sei. So habe man ja die Märchen der Gebrüder Grimm und den Holocaust und die Nazis auf der anderen Seite erfunden. Zwei Dinge, die uns wohl zur Urheimat von Schrecken und Horror machten.

Nun, so King, als Schriftsteller nehme man nicht den ersten Eindruck als den Letzten und so müsste er eigentlich länger bleiben, um die deutsche Seele wirklich zu ergründen. Doch eines, das fand er schon ganz bemerkenswert, nämlich dass man auf deutschen Autobahnen fast fliege. Aber natürlich, die Grimm Brothers seien in Maßstäben Horror ebenso ein Grund gewesen, sich dieses Land mal näher anzusehen.

Denis Scheck übersetzt simultan, was er und King miteinander besprechen und irgendwann versucht auch King sich in Deutsch und fragt uns, ob seine deutsche Aussprache von "Münkin" richtig sei, im Amerikanischen sage man ja "Munich". Das Publikum freut sich und King legt nach. Ja, er wisse, dass es lustig sei, Amerikanern zu lauschen, die sich in deutscher Aussprache versuchten. Das sei so, als wenn man Weißen zuschaue, wie sie versuchten, Spaß zu haben "[…] watch white people trying to have fun […]". Die Zuschauer toben und vielleicht kam mit diesem Satz nicht nur in meinem Kopf eine Assoziation zu Michael Moore und seinen Filmen…

Warum er sich Bangor, Maine, ausgesucht habe, will Denis Scheck wissen, und ob dies seine "Heimat" sei. Tabby habe ihn vor die Wahl gestellt und einen Straßenatlas geholt, erzählt King. Er musste die Augen schließen und blind auf ihn tippen. Das habe er getan und dabei sei Colorado herausgekommen, wo sie tatsächlich dann erst einmal gewohnt hätten. Doch irgendwann musste er sich für einen anderen Ort entscheiden, um seine Inspiration zu füttern, und damals sei dann die Wahl auf einen Neu-England-Staat gefallen, nämlich Maine. Und im Übrigen, so King, müsse er an dieser Stelle einfach mal sagen, dass die Deutschen Bangor stets als "Bang-ger" aussprächen sei eine kleine Zumutung… "Bang-ger? Maaaan, I don't even know her!!"

Und wieder hat es King geschafft. Der Saal tobt. Wer hatte gesagt, dass er sich auf der Bühne nicht so wohl fühle, wie im heimischen Arbeitszimmer? Er selbst. Aha…

KinginHamburgquer

Auch in Hamburg gab sich King locker, hier mit Moderator Ingo Zamperoni. Foto: Philipp Berger

Oft werde er gefragt, woher er seine Ideen nehme. Das ist die Frage, die man ihm am häufigsten stelle. Darauf gebe es aber nur eine Antwort, so King: "Of course man, I will tell you. But then, I'd have to kill you", woraufhin man gleich zur nächsten Frage übergehen könne und diese sei erstaunlicherweise die nach Danny Torrance. Was aus dem kleinen Jungen aus "The Shining" wohl geworden sei, wollten die Leute auf den wenigen öffentlichen Veranstaltungen, die er gebe, am zweithäufigsten wissen. Und so war das eine Frage, die ihn irgendwann selbst umtrieb. Ein wichtiger Grund, warum er sich an "Doctor Sleep" setzte. Denn auch er sei neugierig gewesen.

Anschließend liest King aus seinem neuen Buch, bevor er und Denis Scheck sich weiter unterhalten.

Scheck will wissen, wie eigentlich Kings Verhältnis zu Kubrick sei. Und King antwortet, es sei eben ein ganz normales Verhältnis wie zu jedem anderen Menschen, mit dem er bereits zweimal im Leben gesprochen hätte.


Einmal, so erzählt er, habe ihn Kubrick morgens um 7 Uhr an einem Wochenende angerufen, als King sich gerade rasierte. Tabby war ans Telefon gegangen und meinte zu ihm, Kubrick sei am Telefon und wolle ihn sprechen.

King ging ans Telefon und Kubrick fragte ihn: "Hey, don't you think that ghost stories are quiete optimistic?"
King: "Why should I think so?"
Kubrick: "Yeah, when ghosts recognize that they survived death?!?"
King: "Aye… but what about hell?"
Kubrick: "I don't believe in hell."
King: "But that doesn't matter, Mr. Kubrick. Don't you think that some of us would be very disappointed when they perceive that it goes on and on and on after death? Perhaps the speculated on an end of all this stuff… and then? It goes on?!? Wouldn't you think they could be very angry?"
Kubrick: "Ok, thank you!"
Und legte auf.

Das war eine der Konversationen die er mit Kubrick hatte, blutend, weil er sich beim Rasieren geschnitten hatte, an einem Samstagmorgen um 7 Uhr.

Ohnehin verstehe er gar nicht, warum man ihm nachsage, er würde Kubricks Verfilmung von "The Shining" hassen. Er möge sie halt nicht besonders.

Schmunzeln im Saal.

Nun tritt David Nathan auf das Podest, der das Hörbuch der im Heyne-Verlag erschienenen deutschen Ausgabe von Doktor Sleep eingesprochen hat.

King zollt ihm seinen Dank, denn, so sagt er, er habe so eine eindrucksvolle Stimme, dass, obwohl er kein Deutsch verstehe, er stets genau gewusst habe, an welcher Stelle Nathan gerade sei. Und übrigens, um Schecks Frage zu beantworten, sei das genau das, was ein guter Schriftsteller oder Musiker eben brauche, seine persönliche Stimme.

Einer der Gründe, warum King, der zwischendurch unter dem Pseudonym "Richard Bachman" schrieb nach dem dritten Bachmann- Roman erkannt worden war. Man habe eben seinen "tone" wiedererkannt. Dass er überhaupt unter einem Pseudonym veröffentlicht hatte, sei damals der Tatsache geschuldet gewesen, dass sein Verlag nur drei Bücher von ihm veröffentlichen konnte, King aber viel mehr schrieb, als der Verlag zuließ. Und so hatte er einen anderen Autornamen gesucht und eben in "Richard Bachman" gefunden.

Nun ist die Reihe am Publikum, oder zumindest fast. Drei Fragen aus sozialen Netzwerken werden gestellt, vom Verlag Heyne vorher ausgesucht. Und drei Fragen aus dem Auditorium. Dabei kommt die Rede auch auf Bambi und Walt Disney. Walt Disney, so King, sei für ihn der gruseligste Geschichtenerzähler schlechthin gewesen. Doch trotzdem müsse er ihm wohl dankbar sein, denn durch seinen Trickfilm "Bambi" sei das Wort "Bambi" in aller Munde. Und das, so King, finde er toll. Toll, wie die Deutschen "Bambi" aussprächen, diese Geschichte um den kleinen "Weißwedelhirsch" (Scheck), der ohne Mutter aufwachsen muss. "Isn't this story german too?", fragt King Scheck, worauf dieser kontert: "No, it's austrian actually, but from time to time we like to incorporate them."

Entertainer sind sie, alle beide, und ein super Team. Und leider viel zu früh, ist der Abend vorbei. Nach knappen zwei Stunden verabschiedet Scheck King und dieser verabschiedet sich mit einem melodischen "Dankayscheen" bei den Zuschauern.

Und nun kommt es drauf an. Wer einen Löwen auf seiner Eintrittskarte hat, der hat damit das Recht, ein signiertes Exemplar von Kings Buch zu erstehen. Wer andere Tiere drauf hat, der bekommt die Möglichkeit, eine persönliche Grußkarte von ihm mitzunehmen. Doch, mal ehrlich, geht es hier um Kings Geschichten, darum, King persönlich begegnet zu sein, oder geht es um Devotionalien und Götzenverehrung?

Nun, ich hatte zwar keinerlei Getier auf meiner Pressekarte, aber hey, wir haben seine Geschichten, wir haben ihn getroffen und wir haben doch seine Signatur mit jedem seiner Bücher in unserer Hand. Ich erinnere nur an seinen kläglich gescheiterten Versuch unter dem Pseudonym "Bachman" unerkannt zu bleiben. Ähnlich gescheitert, wie es die Beatles wären, wenn die ihr Vorhaben, nochmal ganz unten anzufangen, um die Gründerstimmung wieder zu erleben, wahr gemacht hätten.

Man muss das verstehen. Wir sind hier in Bayern. Und da liebt man "seinen" König, so oder so.

Share Button

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

FAKTuell-Verlag
Hrsg. Momo Lenz

Faktor-L

BioNerds und das Liebesprinzip

 


Faktor-L
Kein Plan B
FaktorLkeinPlanBCoverMomoLenz200px

faktor-L
Nimms Leicht!
Schlank durch...
NimmsLeicht Cover


faktor-L
Neue Medizin & HCG
faktor-L Neue Medizin & HCG * Homöopathie  * oder: Hamer trifft Hahnemann

faktor-L  * Neue Medizin 1
Die Wahrheit über Dr. Hamers Entdeckung
Krebs und andere heilbare Krankheiten
Mit einer Einführung
in die Neue Medizin von:
Professor Dr. Hans-Ulrich Niemitz

faktor-L * 1 Neue Medizin * Die Wahrheit über Dr. Hamers Entdeckung - Krebs und andere heilbare Krankheiten 

 

faktor-L * Handbuch Neue Medizin 2
Die Wahrheit über Dr. Hamers Entdeckung
Konflikte - Auslöser - Verlauf
bei Krebs und anderen heilbaren Krankheiten
Inklusive: Lexikon der Neuen Medizin

faktor-L * 2 Handbuch Neue Medizin - mit Lexikon 


 
Neue Medizin Basiswissen
eBook 2,99faktor-L * Neue Medizin * Bioblatt 1 * Basiswissen (faktor-L * Bioblatt) [Kindle Edition] Neue Medizin  07.06.2011

faktor-LNeue Medizin 8
100 Tage Herzinfarkt
Alles mein Revier

faktor-L * Neue Medizin 8 * 100 Tage Herzinfarkt - alles mein Revier 
 


HIV - AIDS
und die Virenlüge

Ein Esstisch-Gespräch mit
Dr. Stefan Lanka & Karl Krafeld

faktor-L 6 * HIV - AIDS und die Virenlüge * Interview mit Dr. Stefan Lanka & Karl Krafeld
 

faktor-L * Neue Medizin 3
Therapie und Praxis
Das Methoden-ABC

faktor L * 3 * Neue Medizin * Therapie und Praxis * Das Methoden ABC 

faktor-L * Band 5

Katzen ...was sonst

Natürlich kann man ohne Katzen leben.
Aber weshalb sollte man...
Special: Neue Medizin für Tiere

Katzen ...was sonst * Was Sie schon immer über Katzen wissen wollten


faktor-L  *
Neue Medizin 7
Das Selbst und das Ich
Spurensuche

faktor-L Neue Medizin 7 * Das Selbst und das Ich - Spurensuche * Regressionstherapie 

BGE Handbuch 07.06.2011