RadrennfieberRolfSeyfahrt24092010.jpg"Viele fühlten sich berufen, aber nur wenige wurden auserwählt." Eine Weisheit, die wohl nicht nur für den Radsport gültig ist, der aber im weiteren die Hauptrolle spielen soll. Doch nein, es geht wohl mehr um den Urheber der genannten Erkenntnis, den Chemnitzer Rolf Seyfahrth.
Dessen Leben allerdings war mit dieser Sportart untrennbar verbunden. Selbst wenn er, nach eigener Erkenntnis, leider nie zu jenen Auserwählten gehörte. Denn das bezog sich lediglich auf seinen Versuch, es den ganz Großen auf dem Rennrad, mit denen er von Kindheit und frühester Jugend an enge Kontakte pflegte, selbst gleich zu tun. Lokalmatador Richard Junghanns ("Der Kleine), Walter Sawall, Paul Krewer und schließlich Weltmeister Toni Merkens gehörten unbedingt dazu.

Nachzulesen ist das alles im kürzlich beim Chemnitzer ClauS Verlag erschienenen Buch "Radrennfieber". Es hat schon fast eine eigene Geschichte. Im Streckverband als Kriegsversehrter in einem Wehrmachtslazarett begann Rolf Seyfarth, seine während 25 Jahren als Sportberichterstatter und Rennveranstalter mit Radweltmeistern, Fliegern, Stehern und Schrittmachern gesammelten Erlebnisse und Erfahrungen niederzuschreiben. War es in den letzten Kriegsjahren verständlicherweise nicht möglich, das Manuskript zu veröffentlichen, so schmorte es auch danach in der Schublade.

Obwohl der 1907 geborene Autor einen sehr lebendigen, mit vielen Anekdoten und Episoden gewürzten Text über die Anfänge des Radrennsports in Sachsen in den 20-er Jahren bis zum Kriegsende und seine persönlichen Begegnungen mit Spitzenklassefahren jener Jahre, in denen Chemnitz und die Rennbahn von Altendorf damals immer eine entscheidende Rolle spielten, vorlegte, fand sich weiterhin einfach kein Verleger. Dessen ungeachtet versuchte Seyfarth, inzwischen Bürgermeister für Wirtschaft in seiner Heimatstadt, auf den vom Krieg hinterlassenen Trümmern auch in sportlicher Hinsicht Neues aufzubauen.

Trümmer waren es dann wirklich, die mit einer Feldbahn aus dem Stadtzentrum kilometerweit herangefahren und zu Traversen als Fundament für die nach seinen Ideen entstehende Zementbahn aufgeschüttet wurden. Das Eröffnungsrennen erfolgte am 22. Oktober 1950. Vier Jahre lang wirkte er hier wie schon 1938 als Rennleiter. Doch die Querelen seitens des damaligen Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) und der staatlichen Stellen nahmen zu. Schließlich wurde der Berufsradsport ganz verboten.

Parallel dazu wurde in der DDR auch die Veröffentlichung dieses lebendigen und authentischen Bildes einer Epoche Radrennsport nicht genehmigt. Dabei blieb es bis zu seinem Tode nach kurzem Leiden im September 1976. Seit 2009 befindet sich Seyfarths Nachlass im Chemnitzer Schlossbergmuseum, darunter auch dieses Manuskript zusammen mit einer Vielzahl bisher unveröffentlichter Fotos aus jener Zeit. Es ist das Verdienst dieser Einrichtung, gemeinsam mit dem ClauS Verlag endlich den Radsportfreunden, auch über Sachsens Grenzen hinaus, diesen spannenden Abschnitt regionaler Sportgeschichte vorlegen zu können.

 

Rolf Seyfarth  * Radrennfieber
ClauS Verlag Chemnitz * ISBN: 978-3-935842-12-9

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