Oberlausitz "Es gibt in Deutschland nur wenig Städte von der Größe und der Bedeutung Zittaus, die so nahe an der Grenze und innerhalb des großen, nationalen Verkehrs so ungünstig liegen, wie unsere Heimatstadt, die trotzdem zu einem wichtigen Grenzplatz geworden sind" - eine Wahrheit, die nicht etwa vom Zittauer Bürgermeister Michael Hiltscher, dem wohl standhaftesten Verfechter des Neubaus der B 178 von der Autobahn bis durch das Dreiländereck, sondern von Eugen Franz aus dem Jahre 1935 stammt. Damals von ihm niedergeschrieben unter dem Titel "Die Verkehrslage in der Stadt Zittau".

Es ist wohl nicht von ungefähr, dass die Herausgeber des kürzlich in der Reihe "HeimatARCHIV" des Erfurter Sutton Verlages erschienenen literarisch-historischen Lesebuches "Die Oberlausitz", auch diesen Text in ihre Sammlung aufgenommen haben. Immerhin forderte der Autor schon damals "sowohl vom Standpunkt des nationalen wie internationalen Verkehrs so ein dichtbesiedeltes Randgebiet durch moderne Verkehrsmittel" durch eine Verbindung Berlin-Kottbus-Görlitz-Zittau-Reichenberg-Prag an das Zittau-Reichenberger Gebiet direkt anzuschließen sei. Wer wollte dem im puncto Aktualität etwas hinzu fügen?

Natürlich beschäftigt sich das erst kürzlich von den beiden Herausgebern, der 30-jährigen Daniela Baake und ihrem Partner, dem 46jährigen Leiter des wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Altbestandes der Zittauer Christian-Weise-Bibliothek Uwe Kahl, erstmals gemeinschaftlich herausgegebenen Band noch mit vielen weiteren Dingen unserer Regionalgeschichte, stets erzählt von Zeitzeugen aus ihrer damaligen Sicht und vor allem auch in ihrer damals üblichen, dem heutigen Leser mitunter etwas zumindest verschraubt anmutenden Sprache. Doch macht genau das eben die Originalität der aus der Zeitspanne vom 17. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert stammenden Texte aus.

Die Palette der Themen reicht innerhalb der ursprünglich geplanten neun, nun aber schließlich auf fünf reduzierten Kapitel von der durch unwahrscheinliche Heimatverbundenheit gekennzeichneten Beschreibung der Oberlausitzer Landschaft, der einstmals prachtvollen Städte und anheimelnden Dörfer, über die, teilweise bis heute erhalten gebliebenen Sitten und Gebräuche unserer Region, spannende Biografien berühmter Oberlausitzer von Christian Weise bis Bihms Koarle und den 103 Jahre alten Reichenauer Vater Apelt, der 1908 von Alfred Moschkau besucht wurde.

Natürlich sei es unmöglich gewesen, im verständlicher Weise doch knapp gemessenen Rahmen dieses Buches die Oberlausitz als Ganzes in ihrer Geschichte, deren vielen Wendungen und Verwicklungen darzustellen, räumte Uwe Kahl bei der öffentlichen Präsentation ein. Aber das war ebenso wenig Anliegen der beiden Herausgeber, wie die Absicht, die von ihnen ausgewählten Texte einer Wertung aus heutiger Sicht zu unterziehen. Vielmehr wolle man den Leser in eine längst vergangene Zeit entführen und damit tief in die Geschichte und Kultur unserer wunderschönen Heimat eintauchen lassen. Das gelang wohl schon beim abwechselnden Lesen der Textproben, die sich Daniela Braake und Uwe Kahl bei der Präsentation für ihre zahlreichen Gäste ausgewählt hatten. Fazit: Ein Muss für alle, die sich für die Oberlausitz und deren Geschichte interessieren.

Titel: "Die Oberlausitz - Ein literarisch-historisches Lesebuch"
Herausgeber: Daniela Baake und Uwe Kahl
Verlag: Sutton Verlag GmbH Erfurt
ISBN: 978-3-86680-704-4
Preis: 18,90 Euro

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