Far: At Night We Live Far: At Night We Live

Far sind eine Legende (dieses Wort fällt bemerkenswert häufig in den letzten Rezensionen). Die Band veröffentlichte Ende der 90'er mit "Water & Solutions" ein grandioses Album, das noch heute in allen Beliebtheitslisten auftaucht. Far selbst hingegen blieben unbekannt. Man trennte sich, Sänger Jonah Matranga machte mit verschiedenen Projekten und zuletzt solo von sich reden. Er ist ein richtig Guter, sein Werk, gerade die Singer/Songwriter-Songs, lohnen eine Entdeckung! Mit Far machte und macht er das, was unglücklicherweise als Emo bekannt wurde, also emotionale Gitarrenmusik, laut, heftig, aber mit Gefühl. Letztlich sind Far nun so bekannt wie nie, denn ihr Comebacksong "Hot Little Pony", eine Coverversion, entwickelte sich zu einem kleinen Hit. Der Song ist Bonustrack auf dem neuen Album, das vielleicht kein zweites "Water & Solutions" ist, nichtsdestotrotz aber Spaß macht und uneingeschränkt zu empfehlen ist. Schon Eröffnungssong "Deafening" setzt Standards. "Pony" ist als Bonussong das letzte Lied.
 
 
 
***

 

Jersey Budd: Wonderlands Jersey Budd: Wonderlands
Jersey Budd wird von der Plattenfirma als Songwriter und Gitarrist verkauft. Es scheint aber, als ob man das Debütalbum einer Band hört. Und zwar einer, die "Jersey" nicht grundlos im Bandnamen trägt. Assoziationen zu Southside Johnny And The Asbury Jukes scheinen gegeben und zu anderen Bands aus dem Umfeld von Bruce Springsteen, bekanntlich DER Jersey-Legende.

An den Boss fühlt man sich allerdings weniger erinnert. Dass die Musik nicht so gut sein kann, ist zu erwarten. Allerdings wird auch Jersey Budd als Working Class Hero verkauft. Die zehn Songs klingen auch nach Straße und Tourleben. Heraus sticht "Southern Man" mit seinem Southern Rock (was ja nun gar nichts mit Jersey zu tun hat) und das ebenfalls stark rockende "The Blind Man". Rock'n'Blues ist ein weiteres Schlagwort. Es passt.

 

Jersey Budd: Wonderlands

 

***

 

Walter Schreifels: An Open Letter To The Scene  Walter Schreifels: An Open Letter To The Scene
Walter Schreifels ist eine Legende, auch wenn dies vermutlich nicht jeder Leser weiß. Und das Wort ist mit Bedacht gewählt. Der New Yorker mit dem deutschen Namen, der ironischerweise derzeit tatsächlich in Berlin lebt, hat mit Hardcorebands wie Gorilla Biscuit und Quicksand Musikgeschichte geschrieben.

Über die Jahre hatte Schreifels verschiedene Bands am Start, darunter die phantastischen Rival Schools und zuletzt Walking Concert. Nun ist sein erstes Soloalbum erschienen, mit dem Titel "An Open Letter To The Scene". Denn um die Szene ging es immer in Schreifels Geschichte. Hardcore verstand sich schließlich auch immer politisch.

Solo heißt in diesem Fall tatsächlich "ein Mann und seine Gitarre" (plus manchmal Piano). Und Schreifels kann durchaus singen, nicht nur schreien. Es sind zehn richtig gute Lieder, teils neu, teils von seinen alten Bands, nur diesmal halt abgespeckt. Dieses Album ist eine Entdeckung wert.
 

Walter Schreifels: An Open Letter To The Scene
 

Share Button